„Meine Hände sind taub und ich spüre ein Kribbeln bis in die Ellbogen“ – diese Beschreibung höre ich im Büro mehrmals wöchentlich. Kribbeln in Händen oder Füßen kann harmlos sein, beispielsweise nach langem Sitzen in derselben Position. Tritt es jedoch regelmäßig und ohne erkennbaren Grund auf oder geht es mit Schwäche einher, sollte man es ernst nehmen.
Was Kribbeln eigentlich ist
Kribbeln, Taubheitsgefühl und ein Gefühl wie „Ameisenlaufen“ werden medizinisch als Parästhesien bezeichnet. Sie treten auf, wenn die Signalübertragung durch die Nerven gestört ist – sei es durch Druck, Entzündungen, Verletzungen oder einen Mangel bestimmter Substanzen im Körper. Man kann sich das Nervensystem wie ein Netzwerk elektrischer Leitungen vorstellen: Wenn irgendwo eine „schlechte Verbindung“ besteht, wird das Signal nicht richtig weitergeleitet, und es kommt zu Kribbeln oder Taubheitsgefühl.
Wichtig zu beachten ist, dass Kribbeln keine eigenständige Krankheit ist, sondern ein Symptom, das darauf hinweist, dass etwas Ihre Nerven beeinträchtigt.
Die häufigsten Ursachen, denen ich in der Praxis begegne.
In meiner Praxis sind Nervenkompressionen die häufigsten Ursachen für Kribbeln – beispielsweise das Karpaltunnelsyndrom bei Menschen, die viel am Computer arbeiten, oder Druck auf Nerven in der Halswirbelsäule. Die Ursachen können aber auch weniger offensichtlich sein: ein Vitamin-B12-Mangel (das für die Gesundheit der Nervenfasern unerlässlich ist), diabetische Neuropathie und sogar chronischer Stress, der die Nacken- und Schultermuskulatur dauerhaft verkrampft.
Manchmal kommen Patienten besorgt zu uns, weil sie befürchten, dass ihr Kribbeln etwas Ernstes bedeuten könnte. In den meisten Fällen können wir durch eine gründliche Diagnostik die Situation klären und eine konkrete Ursache finden.
EMNG-Scan – was Sie erwartet
Eines der wichtigsten Diagnoseverfahren bei Kribbeln ist die Elektroneuromyographie (EMNG). Dabei werden die Nervenleitgeschwindigkeit und die Muskelfunktion gemessen. Die Untersuchung erfolgt mit leichten elektrischen Impulsen, die zwar unangenehm, aber nicht schmerzhaft sein können. Sie dauert etwa zwanzig Minuten und liefert präzise Informationen darüber, ob, wo und in welchem Ausmaß ein Nerv geschädigt ist.
Ich sage meinen Patienten immer, dass sie keine Angst vor diesem Test haben sollen – die Informationen, die er uns liefert, sind für einen präzisen Behandlungsplan von unschätzbarem Wert.
Was können wir tun?
Die Behandlungsmethode hängt von der Ursache ab. Bei einer Nervenkompression kann manuelle Therapie helfen, den Druck auf den Nerv zu lindern. Liegt die Ursache in der Halswirbelsäule, führt eine Kombination aus neurologischer Therapie und gezielter Wirbelsäulenmanipulation häufig zu einer Besserung.
Eine Nährstoffanalyse ist für mich ein unverzichtbarer Schritt. Ein Mangel an Vitamin B12, B6, Folsäure oder Magnesium kann die Nervengesundheit direkt beeinträchtigen. Werden die fehlenden Nährstoffe ausgeglichen, lässt das Kribbeln oft nach oder verschwindet ganz. Auch Akupunktur kann helfen, insbesondere bei Kribbeln, das durch Verspannungen und Stress bedingt ist.
Praktische Tipps, die Sie sofort anwenden können
Achten Sie auf die Situationen, in denen das Kribbeln auftritt: Ist es immer an derselben Stelle, zur selben Tageszeit oder nach einer bestimmten Aktivität zu spüren? Notieren Sie sich das. Wenn Sie am Computer arbeiten, machen Sie außerdem alle 45 Minuten eine kurze Pause – stehen Sie auf, dehnen Sie Nacken und Schultern und schütteln Sie die Arme. Diese einfachen Gewohnheiten können den Druck auf die Nerven deutlich reduzieren.
Wenn das Kribbeln nicht verschwindet, wiederkehrt oder sich ausbreitet, warten Sie nicht darauf, dass es von selbst verschwindet. Vereinbaren Sie einen Termin – in der Regel reichen eine Untersuchung und eine Elektromyographie (EMG) aus, um die Ursache zu finden und die Behandlungsmöglichkeiten festzulegen.